GRENZEN MOTIVATION LIFE

ZAHLEN

DAS UNSICHTBARE KORSETT

---

 

„Extrem kann nicht ohne Egoismus“

(Benjamin Franz)

Geld, Zeit, Größe, Tiefe...so könnte ich wohl ewig weiter machen. Zahlen sind ein Bestandteil unseres Lebens, ja, aber wie wichtig sind sie wirklich für uns? Nur wenn du 4 Minuten die Luft anhalten und 40 Meter in die Tiefe tauchen kannst dann ... was?!

Allzu oft begegnen wir solchen Zahlen beim Apnoetauchen. Extrem, verrückt, bewundernswert oder auch einschüchternd, beängstigend, lebensbedrohlich können diese Zahlen auf uns wirken. So kontrovers diese Wirkung, so faszinierend ist es doch an diese Zahlen heranzukommen. Zu schauen ob ich das auch schaffen kann. Ein bisschen mehr müsste doch eigentlich noch gehen?! Leider bezahlen für dieses „bisschen mehr“ jedes Jahr ambitionierte Apnoetaucher mit ihrem Leben.

Durch Interviews mit Benjamin Franz, Tom Sietas und meine eigenen Erfahrungen als Coach, Apnoelehrer und Sportler werde ich dir in diesem Blogpost Antworten auf folgende Fragen liefern:

- Was sagen diese Rekord-Zahlen aus?

- Mit welchem Ansatz lassen sich lebensbedrohliche Vorfälle vermeiden?

- Wie kannst du sicher deine Grenzen erweitern?

- Was steckt hinter diesen Rekorden? – Interview (Video) mit Apnoe Legende Tom Sietas

- Welches Ziel verfolgst du beim Apnoetauchen?

- Wie kannst du dich sicher weiterentwickeln?

DAS ZAHLENKORSETT DER REKORDE

„Die Freude nach einem Weltrekord hielt nur eine Woche ...

Was gibt’s als nächstes?“

(Benjamin Franz)

Rekorde spiegeln für mich nur einen kleinen Teil der wirklichen Leistungsfähigkeit eines Menschen wider. Seit nun mehr als zehn Jahren unterrichte ich Kurse im Wasser (Gerätetauchen / Apnoe) und unterstütze Klienten dabei mentale Blockaden zu lösen. Dabei sehe ich immer wieder wie Zahlen ein unsichtbares Korsett schaffen können. Ein Zahlenkorsett welches sich nicht nur auf unsere Leistungsfähigkeit im Sport, sondern auch direkt im Alltag auswirkt. Dabei spielen Glaubenssätze die in einer direkten Verbindung mit diesen Zahlen stehen einen zentralen Ankerpunkt.

Solche Glaubenssätze können wie folgt aussehen:

„Erst wenn ich XY verdiene, bin ich etwas wert“

„Wenn ich X Minuten die Luft anhalten kann gehöre ich dazu“

„Wenn ich XY Meter tauche bekomme ich Anerkennung

„Erst wenn ich das schaffe, fühle ich mich wohl“

„Ich muss besser als XY um ...“ usw.

„Zahlen sind nur die Möglichkeit dich mit anderen zu messen ... um das deutlich zu machen, nimmst du an Wettkämpfen teil.“

(Benjamin Franz)

Wieso mische ich hier jetzt Geld mit Zahlen aus dem Apnoesport? Weil diese Zahlen eben nicht nur auf den Apnoesport zu reduzieren sind. Meist kommen bei Rekordversuchen weitere Aspekte hinzu die uns dazu drängen können genau diesen Rekord erreichen zu wollen.

„The mindset you take into the water, determines the outcome.“

(Sara Campbell)

Gebe ich diesem Drang nach, sollte ich mir bewusst machen was für mich dahinter steht.

„Es gibt 3 wichtige Fragen:

1 – Wer bin ich?

2 – Wo bin ich?

3 – Was mache ich hier?“

(Tom Sietas)

Erst wenn ich mir bewusst mache was mich wirklich antreibt, kann ich mich von diesem Zahlenkorsett befreien. Anstelle der Zahlen tritt dann etwas anderes wie Freude, Gemeinschaft, Abenteuer ... Was ist es bei dir?

 

„Ich habe eher für mich trainiert,

als zu gucken was die Anderen machen“

(Tom Sietas)

Ich selbst trage bis heute ein Zahlenkorsett an mir. In den letzten Jahren habe ich aber durch intensive mentale Arbeit wahrgenommen wo und wann es mich blockiert. Seither habe ich einen Weg gefunden es immer weiter zu lockern und schaffe mir damit mehr Raum zum atmen. Denn es geht nicht darum was andere Menschen mit diesen Zahlen verbinden, sondern welche Gefühle mich auf dem Weg zu meinen persönlichen Zielen begleiten. Die Wahl welchen Weg ich dafür gehe habe ich selbst.

DER KICK AN DER GRENZE

„Wenn du das machst,

machst du was ganz Irres.“

(Benjamin Franz)

War oder ist das nicht vielleicht auch dein Ziel? Diesen Kick zu bekommen die eigenen Grenzen anzutesten. Zu schauen was möglich ist. So lange unter Wasser die Luft anzuhalten bis es nicht mehr geht.

„Ich habe mit so einem Rochen interagiert...

da hab ich mir gedacht, das möchte ich länger erleben können.“

(Tom Sietas)

Wäre das nicht toll so mit dem marinen Leben interagieren zu können ohne auftauchen zu müssen? Davon haben wir sicherlich schon alle einmal geträumt. Um diesem Traum etwas näher zu kommen, sollten wir aber unsere Grenzen kennen.

Leider sind unsere Grenzen nicht so einfach zu greifen. Oder kannst du jeden Tag gleich lange deine Luft anhalten? Eben. Aber warum eigentlich nicht? Den Finger ganz genau auf einen Punkt zu legen und zu sagen „daran hat es heute gelegen“ ist schwer. Je mehr wir aber unseren Körper lesen lernen, desto einfacher wird es die körperlichen Signale deuten zu können.

„Das erste sollte immer sein:

Wie geht es mir und meinem Körper?!“

(Tom Sietas)

Da unser Körper uns meist nicht nur ein Signal, sondern mehrere sendet, solltest du in deinen Trainings darauf achten was genau in deinem Körper passiert. Klingt einfacher als es manchmal ist. Denn es gibt ja noch eine zweite Komponente die dir deine Grenzen aufzeigen kann. Dein Kopf.

Beim Apnoetauchen limitiert dich zu 80% dein Kopf und nur zu 20% dein Körper. Ich gehe hierbei davon aus, dass du bei voller Gesundheit bist und auch anatomisch keine Einschränkungen gegenüber dem Apnoetauchen aufweist.

Wieso also nur darauf konzentrieren was im Körper passiert? Bingo. Dein Kopf bestimmt dabei hauptsächlich wie du dich unter Wasser fühlst, also solltest du dieses Training nicht außer Acht lassen.

„Am Anfang kannst du die Signale noch nicht einschätzen

wann du an der Grenze bist.“

(Tom Sietas)

Aber schon hier kannst du lernen was dich blockiert, und zwar, ist es dein Körper oder dein Kopf. Das anschließende Training sollte drei Bereiche unbedingt berücksichtigen damit du lebensbedrohliche Situationen minimierst und dabei deine Grenzen erweiterst:

1 - NIEMALS bitte NIEMALS alleine im Wasser trainieren oder Apnoetauchen gehen

2„konservativ tauchen“ (Tom Sietas) heißt, taste dich langsam an deine Grenzen heran

3 – Nimm dir Zeit und lerne dich selbst besser kennen

Wenn du keinen Buddy mit Erfahrung findest, mach bitte einen Kurs oder suche dir einen Coach bevor du nur „Learning by Doing“ in Erwägung ziehst. Wir haben alle schon die eine oder andere Dummheit gemacht, beim Apnoetauchen kann so etwas schnell tödlich enden.

EIN BLICK HINTER DIE REKORDE

„Das Ultimum erreichen,

der tiefste Mensch der Welt sein.“

(Benjamin Franz)

Alles hat seinen Preis, die Rekorde beim Apnoetauchen gehören ebenfalls dazu.

„Mit schlechtem Selbstbewusstsein ist so etwas toll,

Weltbester.“

(Benjamin Franz)

Welchen Preis bist du bereit zu zahlen für deinen nächsten persönlichen Rekord?

Benjamin Franz hat dafür im Jahr 2001 fast mit seinem Leben bezahlt. Während des Trainings auf seinen nächsten Weltrekordversuch, zerriss ihm ein Schlaganfall all seine Träume und kettete ihn lange an den Rollstuhl. Heute hat er dem Apnoesport den Rücken zugewendet und sieht seine damalige sportliche Laufbahn als sehr kritisch.

„Ich war krank.

Ich hatte Minderwertigkeitskomplexe.“

(Benjamin Franz)

Auch andere Apnoetaucher die für eine Zeit um Weltrekorde mitgekämpft haben, sind abrupt von der Bildfläche verschwunden.

   

Tanya Streeter hat 2002 einen Doppelrekord in NLT (No Limits – Tauchen mit einem Schlitten) aufgestellt und hörte direkt anschließend auf mit Wettkämpfen. Sie hatte den Spaß am Apnoetauchen verloren.

Tom Sietas verließ das Apnoe Parkett 2008 noch mit zwei neuen Weltrekorden und machte anschließend einen klaren Schnitt. „Das Leben bietet mehr als Apnoetauchen“ (Tom Sietas)

Annelie Pompe wollte noch 2014/2015 den damaligen Weltrekord in CWT (Constant Weight – mit Flossen) brechen, hat aber dann den Spaß am Tieftauchen verloren. Seither taucht sie keine Wettkämpfe mehr.

Guillaume Néry beendete seine Wettkampflaufbahn abrupt 2015 nach einem Unfall bei der Weltmeisterschaft in Limassol.

So könnte ich noch eine ganze Weile weitermachen ... Leider.

„Spaß war der Einstieg“

aber

„Was ich damals gemacht hab,

war totaler Blödsinn“

(Benjamin Franz)

Soll das heißen dass der Spaß beim Kampf um die Rekorde verloren geht? Ich denke nicht dass das zwangsläufig sein muss. Wenn du dich dazu entscheidest Wettkämpfe zu machen, bedeutet es nicht gleichzeitig über deine Grenzen hinauszuschießen. Genauso wenig soll das bedeuten das Wettkämpfe keinen Spaß machen. Trotzdem sehe ich den eigenen Drang zur Rekordjagd als einen schmalen Grad zwischen intrinsischer Motivation und extrinsischem Geltungsbedürfnis.

DEIN ZIEL – DEIN WEG

Für mich ist Apnoetauchen so viel mehr als nur Rekorde oder Zahlen. Denn die Arbeit mit mir selbst bringt mich auch persönlich weiter. Lerne ich mit meinen mentalen Grenzen umzugehen gewinne ich auch in anderen Bereichen meines Lebens mehr Lebensqualität. Taste ich mich näher an meine Grenzen, stärke ich mein Selbstvertrauen, entfalte mein Potenzial und vergrößere meine Komfortzone.

 

„Die mentale Stärke spiegelt sich und

stärkt mich (auch heute noch) im Alltag.“

(Benjamin Franz)

Frag dich selbst: Was gibt dir Apnoetauchen oder was möchtest du durch den Sport erreichen? Welche Referenz sollen dir erreichte Zahlen geben? Gibt es Erwartungen die du erfüllen möchtest?

Es gibt viele Wege deine Ziele zu erreichen. Finde dafür den Weg der für dich am besten passt. Und beherzige dabei folgende Punkte:

1 – Trainiere NIEMALS alleine im Wasser

2 – Lerne deinen Körper und deinen Kopf besser kennen

3 – Trainiere konservativ

4 – Taste dich langsam an deine Grenzen heran

5 – Finde heraus was dich wirklich antreibt

  Um es mit Benjamin’s Worten zu sagen: „Apnoetauchen ist ein wunderbarer Sport“ der so viel mehr bietet als nur Zahlen. Überlege dir also was für dich dahinter steckt wenn du das nächste Mal einen Apnoetaucher fragst "Wie lange kannst du deine Luft anhalten?" oder "Wie tief bist du schon getaucht?"

  Benjamin Franz (*03.01.1971) Wurde 2001 tiefster Deutscher Apnoetaucher und hält bis heute die deutschen Rekorde in NLT (126m) und VWT (117m). Während des Trainings auf seinen nächsten Weltrekordversuch, zerriss ihm 2001 ein Schlaganfall all seine Träume und kettete ihn lange an den Rollstuhl. Heute arbeitet er als Fotograf in Bayern. Tom Sietas (*12.11.1977) Dominierte weltweit von 2003 bis 2008 die Pool-Wettkämpfe. Bis heute hält er die deutschen Rekorde in den Disziplinen Statik (10:12min), DYN (223m) und DNF (213m). 2008 nach seinem letzten Weltrekord machte Tom einen klaren Schnitt, beendete seine sportliche Karriere und widmete sich seinem Studium. Heute arbeitet er als Lehrer in Hamburg.

ÜBER TIMO


NEUES ZUERST FÜR DICH

APNEASURF
Apnoetauchen für Surfer

INSTASTORY

FACEBOOK

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.